H A U S R Ä U M U N G



Einmal würde er alles hinauswerfen
Ausräumen
Entfernen
Entsorgen

Einmal die Sorgen auch loslassen

Auskehren Ecken und Nischen
Leeren Schubladen und Winkel
Türen und Fenster von Staub befreien
Säubern die Kammern des Herzens

Abschneiden den roten Faden
Der sie durchtrennt
Und zitternd hängt
In der feuchten Luft

Schleimhäute retten
Vor feinem Sandpapier
Das wund sie scheuert

Haß aus den Ecken
Neid aus den Winkeln

Einmal auch Netze der Eifersucht
Fein gesponnen von Spinnen

Eitelkeiten im First
Lügen in Kisten und Kasten
Alles hinweg und hinaus

Und einmal träumte ihm
Von drei Räumen:
Der erste: vollmöbliert –
Doch wer wohnt schon gerne
In fremden Möbeln?

Der zweite: möbliert nur zum Teil –
Da könnte er Eigenes stellen

Der dritte ist leer
Ist noch frei.
Das verlangt Mut zum Gebrauch
Mut zur alleinigen Nutzung

Einmal die Leere spüren
Und frei sein
Und endlich in seinem Gehäuse
Wohnen dürfen
Ganz frei
und allein



10. Februar 1999


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