Anneliese Riesch

Lebendige Stimme

Stimmbildung für Sprache und Gesang

Ton und Klang werden begriffen als ein Phänomen, dem man sich geistig nähern muß. Viele Skizzen mit Vorstellungsbildern über den Sitz der Vokale, den "Bogen in der Polarität", dem Punkt in dem gesungen wird, die Vorstellung ,wie der Ton den Mundraum verlässt. Viele Sprechübungen für die Konsonantenartikulation.

Folgender Ausschnitt hat mir geholfen, den Ton aus der Kehle in den Kopfraum zu bekommen:

Wir lassen den Atem einfallen, stellen den Bogen auf, stützen uns mit der breiten Brust auf den Kreuzpunkt, achten auf lockere Schultern, blasen die Luft um den Kehlbereich weg, halten den Kehlkopf leicht schräg nach unten vor, lockern das Scharnier, ohne den Mund weiter zu öffnen. Nun führen wir den Anschlagsbogen, wie beim Sprechen, von den Brauen her mit großer Präzision gegen uns selbst und schlagen ganz vorne am Nasenrücken einen Summton an. Das ist der Normalton, vorausgesetzt, daß wir nicht in einer falschen Spannung sind. Wir gehen bei unseren Übungen immer vom Normalton aus. Ist er gut gefaßt, halten wir ihn, indem wir die kleine Drehbewegung denken. Dann gehen wir mit einer intensiveren Drehbewegung in ein -i- und umspielen dessen Punkt, bis der Ton sauber klingt.

Klingt komplizierter, als es ist

Der folgende Ausschnitt weist verblüffende Parallelen zu der funktionalen Methode auf:

Immer wieder muß man darauf hinweisen, daß der Klang im eigenen Ohr trügt. Je penetranter man den Vokal in seinem Punkt wagt, um so sicherer findet der Ton seinen Sitz. Man darf ruhig erschrecken, wie häßlich es klingen kann.

Meine Anmerkung: Bei Formanten mit gleichbleibender Frequenz (siehe Buch "Stimmig sein") muß es zu Reibungen mit den gesungenen Tonhöhenfrequenzen kommen, was zunächst sehr ungewohnt klingt.

Man muß diesen Mut zum Häßlichen haben und vertraue dabei der Kontrolle durch den Lehrer. Eventuell nimmt man ein Tonband zur Hilfe. Man wird mit Erstaunen feststellen können, daß gerade jene Töne, die wie gesprungenes Glas anmuten, die freiesten sind.

     

     

Uta Feuerstein

Stimmig sein

Die Selbstregulation der Stimme in Gesang &Stimmtherapie

Funktionale Methode nach G. Rohmert (Lichtenberg-Institut)

Der gesamte klangerzeugende und -hörende Apparat wird als eine sich selbst organisierende Einheit verstanden, geleitet von "Ordnern", primär den Gesangsformanten, von Obertongruppen, die, unabhängig von der gesungenen Tonhöhe immer in gleicher Frequenz zu schwingen scheinen, sich anhören wie das Geräusch einer summenden Biene und zirpenden Grille. Die Aufmerksamkeit auf diese Formanten zu lenken, sie zu hören, sie zu "sehen" (beispielsweise als zitternden Silberstreif oder flirrende Silberwolke) und zu fühlen, führt zu einem sich selbst verstärkenden Effekt: man hört sie, fühlt sie, sieht sie immer besser. Dabei entfaltet die Stimme eine überraschende anstrengungslose Leichtigkeit, die Ohren scheinen akustisch über einen offenen Kanal miteinander verbunden, man "singt mit den Ohren" ebenso wie mit der "Maske" und dem ganzen Körper.

Der entdeckte Klangcode erscheint nicht nur als "Brillanz" in der Stimme, sondern wirkt harmonisierend auf den ganzen Körper.

Nach meiner ersten Stunde bei Frau Justine Schuchardt in Stuttgart, hielt, wieder zuhause, diese verblüffende Veränderung auch in den darauf folgenden Aufführungen und Chorproben bis heute an, ohne daß ich -außer auf die Formanten zu "horchen"- etwas "machte".

Eine verblüffende, beglückende und vielversprechende Erfahrung. Bin gespannt, wie es weitergeht und werde hier darüber berichten.

 

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