34 St. Alban – Nasbinals

Dienstag, 4. Mai 2004, 41 km

Wetter: freundlich, kühl, teilweise sonnig

Starker, kalter Westwind (lässt nichts Gutes ahnen), nichtssagender aber relativ bequemer Weg nach Aumont. Dort einkaufen. Schöne Kirche,       Laudate .

Weiter durch lichte Kiefernwälder, 5 km bis nach La Chaze, winziger Ort, aber Trinkwasser und sehr sauberes PilgerWC sowie wiederum eine wunderbare Kirche.  mit alten Gewölben, in die der Steinmetz sich verewigt hat.       Laudate kann ich mir nicht verkneifen. Es macht unheimlich Spaß. Ein paar km Landstraße weiter winzige, uralte Chapelle de la Bastide, sorgsam renoviert, wenn man eintritt geht automatisch das Licht an. Auch diese beglücke ich mit meinem Gesang      Laudate . (Albrecht S. -unser Kantor- wird zufrieden sein, ich komme voll eingesungen von dieser Tour zurück).

Nach Pause “Chéz Régine” (oder hieß sie anders?) letzter Point de Pique-Nique vor der Leere des Aubrac, wüste aber irgendwie charmante Kneipe, mit passender Wirtin, an öder Straßenkreuzung (“Quatre Chemins”). Dann noch kurz durch sonnigen Kiefernwald und es öffnet sich nach mächtigem Grasberg die unglaubliche Landschaft des Aubrac: Steinwallbegrenzte Pfade, Wasserläufe, ungebändigt, Sumpf, blühende Wiesen, Himmel, Himmel, Himmel.

Durch den starken Wind ändert sich die Stimmung ständig, ich fotografiere wie ein Weltmeister, in der Hoffnung, diese wunderbaren Stimmungen einfangen zu können.

Manche Passagen durch die Bäche sind nur mit viel Geschick und 2 (ZWEI) Stöcken zu bewältigen. An einer Straßenkreuzung eine erschöpfte deutsche Pilgerin, sie hat heute ihren 4. Tag seit Le Puy, der sei immer schlecht. Sie sucht sich jetzt gleich ein Quartier. Der Wind wird immer schärfer und kälter, einzelne Regenspitzen.

Im finsteren Wolkenlicht über einsame Höhen, riesige Findlinge, matschig-rutschige Abstiege in düstere Weite. Im Windschatten eines Steinwalls kurz vor Rieutort meine übliche lange Pause. 2/3 des Tagespensums müssen geschafft sein, dann gönne ich mir die. Ein wenig Sonne kommt auch dazu. Nasbinals empfängt mich freundlich,  die Église Ste. Marie grüßt erwartungsvoll.

Nettes Zimmer, wieder gegenüber der alten Kirche. Frisch machen,       Laudate . Diesmal folgt noch “Le Seigneur reviendra” und nochmal       Laudate . Wann hab ich schon mal solche Gelegenheiten? Eine Schwalbe, die sich in die Kirche verirrt hat, flattert verzweifelt am Fenster.

Beim Abendessen beobachte ich vergnügt die anderen Tische: Einem Mann mit Mönchstonsur ists zu warm, er zieht sich, seine Nachbarin dabei belästigend, umständlich den Pullover aus; der einzelne Herr am Nebentisch langweilt sich, schaut ins Leere, kaut mechanisch an seinem Brot, nimmt einen Schluck Wein; der gegenüber drückt sich Mitesser aus und das Ehepaar kämpft mit den Käsefäden seiner Hauptspeise. Zum Nachtisch gönne ich mir noch ein großes Eis; darf nicht zu viel abnehmen. Seit Ulm hab ich mehr als 10 kg abgenommen, so kann das ja nicht weitergehen!

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