66 Castrojeriz – Vilalcazar

Samstag, 5. Juni 2004, 40 km

Wetter: Sehr heiß

Auf in die Morgenkühle. Die aufgehende Sonne rötet die gegenüberliegenden Talseite an die sich der Weg hinauf auf den Tafelberg schmiegt. Weiter Blick zurück über das Tal. Oben am anderen Rand des Tafelbergs sieht man weit ins Land auf die kommende Ebene. Immer wieder Mitpilger.

Frühstückspause in Itero del Castillo, deutsche Laute (nicht: laute Deutsche!), Deitsche? Naa, Eh’streicha. Es geht ganz gemütlich weiter, Hunde pennen. Ach ja, die Hunde auf dem spanischen Jakobsweg: Pilger? So was von langweilig! Im besten Fall trotten sie gähnend zur Seite. Fast schon beleidigend.

Nochmal Pause mit eiskalter Cola aus Herbergsautomat in Boadilla del Camino vor eindrucksvoller Kathedrale (zu). Immer wieder reizvoll geformter Horizont, der sich allerdings kurz vor Fromista entlang einem Kanal dazu entschließt, die Kurven bleiben zu lassen, ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Am Ortseingang elegant geschwungene, den Körpern der Schiffe nachgeformte alte Schleuse. Heute dient der Kanal nur noch zur Bewässerung. Einkaufen. Wasser nachfüllen.

Die Hähne an den Wasserstellen haben Druckknopffunktion, wenn man sie loslässt, schalten sie selbsttätig wieder ab. Der in Fromista lässt sich gar nicht erst reindrücken. Ein Radlerpilger haut mit seiner harten Radlersohle und der vollen Kraft seiner harten Radlerbeine auf den Knopf. Das Wasser sprudelt, jetzt kann er sich aber nicht weit genug vorbeugen, ohne den Fuß vom Hahn zu nehmen. So fülle ich erst seine, dann meine Flasche.

Die berühmte Kirche San Martin ist ein Gedicht. Sehr streng, aber ausdrucksvolle individuelle Köpfe an den Dachüberständen und Kapitellen. Viele Touristen im Innenraum, egal:       Laudate . Eine Nonne grüßt freundlich.

Mittagspause unter Schirm: Ensalada mixta con bonito y cerveza con limon. Ist immer gut. Zum Nebentisch hinüber Unterhaltung mit netter Deutscher Hab’ mir eingebildet, sie irgendwoher zu kennen (erinnere mich dann: sieht aus wie die Leiterin unserer Volkshochschule) . Am zweiten Tisch sitzen wieder die Österreicher vom Frühstück. Sind zu dritt unterwegs, Ehepaar und Freund des Mannes.

Vorbei an der Ermita de San Miguel, kurz nach Fromista, in Poblacion de Campos liegt eine kleine romanische Kapelle Ermita de nuestra Señora del Socorro ganz tief unterhalb der Straße, offen:       Laudate . Ein Nachbar sitzt vor seinem Haus im Schatten und schaut erstaunt. Nach langem Hatsch durch die Hitze an froschquakendem Stillwasser kleine Pause. Alter Spanier mitleidig: Ist doch viel zu heiß zum Wandern !

Weiter durch die heiße Tierra de Campos, lang auf separatem Pilgerweg entlang Landstraße nach Vilalcazar. Schönes Gästezimmer in Ferienwohnung. Der Spiegel im Bad ist wie ein Fenster mit einem davorgesetzten Eisenkreuz vergittert. Huhu, Hallo, bin viergeteilt! Mehrere Panachees in angeschlossener Bar, die Österreicher sind auch da:

Sie hat ihn überredet, die Tour mitzugehen, jetzt hat sie Blasen und kann nicht recht, er hat keine, mag aber nicht recht, der Begleiter mag, aber den andern beiden wär’s vielleicht nicht recht . Blöde Gruppensituation. Fragt mich, ob er morgen mit mir gehen könne, hat aber Verständnis, als ich ablehne. Tagebuch.

In Kirche Santa Maria la Blanca mit großartigem Vestibül und handwerklich sehr sauberen Gewölben. Touristenmassen, darf nach einer Führung singen       Laudate . Die Hitze erschlägt mich fast, als ich wieder ins Freie trete.

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