4. Tag Wittfeitzen – Wittingen

Wittfeitzen-Wittingen, 48 km
3120 Wittingen 1
Stephanus-Gemeindehaus
Gustav-Dobberkau-Straße
Telefon 05831-8451

Der Bus wird bepackt. Plastiktüten mit abgeschabten Möhrenresten tauchen auf und werden gleich wieder verstaut. Einige vermuten, daß das unser Suppengemüse sein soll. Mißtrauen und Mißstimmung beginnen.

Zunächst schönes Wetter, warm. Kiefernwälder und Unmengen alter Eichen auf sandigen Böden.

In Schnega Mittagspause in einem Gemeindehaus neben einer schönen Kirche. Einige ruhen sich an einem flachen Rasenhang vor dem Eingang des Gemeindehauses aus; etwas unterhalb, an einem kleinen Wasserlauf gibts Enten, drinnen Gemüsebrühe.

Der Bus ist auch da. Ich bitte Otto, der sich dreilagige Blasen an der Fußsohle gelaufen hat und deshalb im Begleitfahrzeug mitfährt, mir eine Luftmatratze zu besorgen.

Der Pfarrer, in schwarz, selbstzufrieden, genehmigt uns großzügig die Nutzung seiner Kirche für eine Andacht. Ich denke viel an Margret.

In einer malerischen, innen sehr zurückhaltend renovierten Feldsteinkirche aus dem 12.Jhdt in Schäpingen eine kleine Meditation.Ich erzähle die Geschichte des Mannes, dem Gott die Fußspuren seines Lebens gezeigt hat:

Ein Mensch war gestorben. Als er Gott gegenüberstand, zeigte dieser ihm Fußspuren im Sand; Fußspuren von zwei Personen. “Die eine Spur ist von dir, die andere ist meine” sagte Gott.

“Aber sieh’ mal” antwortete der Mensch, “dort, wo es mir ganz schlecht ging, da ist nur eine Spur zu sehen, da hast Du mich verlassen.”

“Das sind meine Fußspuren” erwiderte Gott “als du ganz darniederlagst, da habe ich dich getragen.”

Bis zur ehemaligen Grenze schlage ich Christoph einen Weg auf meiner Karte vor, der sehr schön wird. Vorbei an gackernden Gänsen, rechts auf sumpfiger Weide braungefleckte Kühe, schläfrig wiederkäuend.

Einen Wanderweg auf der Karte rauszusuchen und ihn dann auch tatsächlich zu finden macht Spaß. Die Konzentration darauf läßt mich die Landschaft intensiver erleben, als wenn ich nur hinterhertrotte.

Schnurstracks auf einen Aussichtsturm an der Grenze zu. Über den Todesstreifen und weiter durch endlose, zunächst relativ niedrige Kiefernwälder.

Mit Stefan habe ich ein lange Unterhaltung über unsere beruflichen Tätigkeiten. Wenn’s um Computer geht, werde ich immer gesprächig.

Kurz bevor wir wieder über die Grenze kommen, eine letzte Rast im Wald. Christoph verteilt Zitroneneschnitze. Köstlich!

Querfeldein über die Grenze, dann ein Waldweg geradeaus.

Christoph geht aber links, den Wald entlang, dem Verlauf der Grenze folgend. Kein Weg; nasses Gras, kniehoch. Vor mir gehen Christoph und Anna, die Gruppe im Gänsemarsch dahinter. Endlich ein Stück trockene Straße. Dann wieder querfeldein, an einem Feldrand entlang, linkerhand ein Entwässerungskanal mit steiler Böschung.

Hoffentlich rutscht keiner runter.

Durch hüfthohe Kornfelder; es regnet immer wieder.

Laute Lieder halten uns bei Laune und verderben meine Stimme. Ich kann die nächsten 5 Tage nicht mehr richtig reden. Hildegard meint, das könnte eine Fastenallergie sein.Wie auch immer, es wird schon wieder vergehen.

Es regnet in Strömen. Langer Pflasterweg durch die ganze Stadt. Steinpflaster ist eine Strafe für die Füße.

Der Gemeindesaal ist eine Raum, groß wie eine Turnhalle und genau so gemütlich. Wir machen’s uns also wieder auf dem Fußboden bequem. Otto hat mir eine Luftmatratze besorgt. Hoffentlich schlafe ich diese Nacht besser.

In einem naheliegenden Krankenhaus mit zu Hause telefoniert.

Heute ist die Apfelsaftschorle mangels Gelegenheit ausgefallen. Dafür gibt es abends eine heftige Diskussion: Was ist besser, Gemüse aus biologischem Anbau, aber mehrere Tage alt oder Gemüse aus dem Supermarkt, aber frisch. Ich hab’s lieber frisch, auch wenn es nur als Grundlage für die Gemüsebrühe dienen soll. Außerdem ist manchen das Tempo zu schnell, der Tee zu langweilig, das Wasser zu schal, das Wetter zu schlecht, die Führung zu autoritär, die Unterkunft zu primitiv, man möchte doch, verdammt nochmal, wenigstens mal duschen, Männlein und Weiblein auf dem Boden in einem Turnsaal sei eine Zumutung, außerdem hüpft dauernd noch das Kleinkind der Begleitmannschaft kreischend rum und stört bei’m Schlafen.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne.

183 km

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