14. Tag

Venedig

Halb 8 Frühstück im “Salon”.  Richtiges Frühstück mit Obst, zwei weißen Brötchen, Butter, Marmelade… da muß wohl was schiefgelaufen sein. Den meisten ist es recht, sie beißen mit Genuß in ihre Semmeln. Dieses Jahr ist es eigenartig bei mir: ich habe das Bedürfnis, mit mir vorsichtiger umzugehen, das Brot mit Butter und Marmelade reizt mich überhaupt nicht. Ich sitze mit Tamara und Veronika an einem Tisch. Christof verabschiedet sich. Seine nächste Veranstaltung beginnt schon heute Abend. Gerd übergibt Mecki ein Geschenk der Gruppe  und fordert die Damen auf, sich bei mir mit je einem Kuß für die Mitarbeit und “guten Führungen” zu bedanken. Ich revanchiere mich, indem ich bemerke, da müsse ich dann aber einen Waschlappen mitnehmen (eigentlich wollte ich sagen: Handtuch), was zu einem Entrüstungsturm führt, und daß ich von der Gruppe unheimlich viel Zuneigung erfahren und gespürt habe.

Große Verabschiedung unten in der Halle. Einige gehen nicht mit nach Venedig, andere fahren gleich nach Hause. Venedig, Busbahhof.

Mecki kauft Karten für die Vaporetti. Wir steigen ein.  Venedig im Nebel. Nur schemenhaft tauchen die Paläste auf, das schwarze Wasser gluckst in den Vorhallen, gefährlich viel Verkehr . Man meint, jeden Augenblick müsste es zu einem Zusammenstoß kommen: träge Gondeln, sich aufbäumende Motorboote, rasche Vaporetti schlittern scheinbar unkontrolliert durcheinander. Das Wasser schäumt.

Rialtobrücke. Es ist kalt im nebligen Fahrtwind. Ich bin froh, daß ich meinen Anorak anhabe.

Haltestelle Markusplatz.

Die Gruppe versammelt sich, ich erläutere kurz, wohin wir gehen werden: Seufzerbrücke, Markusplatz mit Markusdom, durch die Gassen über die Rialtobrücke zum Markt und Fischmarkt. Dann jeder allein, wie er will.

Eine elegante Italienerin schimpft, daß wir die Straße so blockieren. Hier scheinen die Einheimischen ja preußischer als die Preußen.

Am Markusplatz erkläre ich vor dem Dom die perspektivische Konstruktion der Platzumrandung. Den Gegenblick, mit dem Markusdom als Abschluß möchte ich auch noch beweisen, und die Gruppe folgt mir brav bis zum anderen Ende des Platzes. Ich bitte alle, sich umzudrehen, um die Wirkung erleben zu können und wir sehen eine weiße Nebelwand. “Ahh, jaaa, sehr eindrucksvoll!!”

Pech gehabt mit meinen pädagogischen Ausführungen.

Vom letzten Mal kenne ich noch ein hübsches kleines Lokal an einem hübschen kleinen Kanal mit zwei hübschen kleinen Brückchen mit Tischen auf einem hübschen kleinen Platz und empfehle es meinen Mitwanderern.

Zum Abendessen möchte ich da hin.

Ich gehe langsam durch die Gassen, halte meine Karte am ausgestreckten Arm nach oben, damit mir alle im Touristengewimmel folgen können. Der Arm wird lahm, ich wechsle die Karte in die andere Hand.

Köstliche Trauben beim Obst, schlabbrige Oktopusse am Fischmarkt.

Ab hier geht jeder seine Wege.

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