1. Tag Lübeck-Mölln

Lübeck-Mölln 37 km
2410 Mölln
JH Till Eulenspiegel
Am Ziegelsee 2

Morgenmeditation. Nur Christoph und Anna sind dabei. Ich fühle mich etwas fehl am Platz.
Anschließend helfe ich, mit den Wasserfiltern unser Trinkwasser für den Tag zu bereiten. Anscheinend stelle ich mich nicht sehr geschickt an, denn Christoph reagiert etwas unwirsch auf meine Tätigkeiten. Soll er mir halt sagen, wie er’s wünscht.
Zum Frühstück gibt es 3 verschiedene Tees. Ich trinke mich satt, übersatt. Nach einem gemeinsamen Foto (Vorher- Nachherdokumentation) Aufbruch. Ich gehe wie auf Eiern, versuche, in meine Füße hineinzuspüren, ob sie es denn schaffen werden. Nur nicht gleich am ersten Tag den Fuß verstauchen oder so was Blödes. Die Wade zwickt etwas, das Fußgelenk fühlt sich wacklig an. Ich bin schon ein rechtes Mimöschen.
Bis zum offiziellen Startort am Holstentor hat mein Morgentee seinen Weg gemacht. Den Pressetermin am Start kann ich nur sehr unkonzentriert wahrnehmen, ein Häuschen im angrenzenden Park hat’s mir angetan und bringt die Rettung. Anderen geht’s genauso.
Das Wetter ist grau, aber nicht unfreundlich. Bereits in Lübeck haben wir Anna und Hildegard (oder war’s die Irmgard?) verloren. Christoph rennt zurück, wir warten. Schließlich geht’s ohne die Beiden weiter. Später erfahren wir, daß sie nach einer Pinkelpause die Gruppe verloren haben und die Strecke über die Ratzeburger Seen genommen haben.
Zwischendurch die erste Saftrast. Christoph verteilt in winzigen Plastikbechern dickflüssigen Rote Beete-Saft. Hmmmm!
In Krummesse eine Meditation in der kleinen Kirche, die malerisch auf einer Anhöhe an der östlichen Kanalseite liegt. Einige nehmen nicht teil und machen es sich auf dem Rasen des Kirchhofs bequem. Ein Gasthof, auf der anderen Kanalseite, mit dicken Autos davor (und sicher dicken Leuten drin) kann uns gar nicht reizen.
Die Gruppe zieht sich auseinander. Carola, Frank, Stefan, Horst und ich vorneweg. Christoph meinte in seinem Anschreiben, wir müßten unser Tempo finden, und könnten nicht aufeinander warten. Das machen wir also gerade, warten aber trotzdem immer wieder.
Wieviel sind wir schon gelaufen? Manfred (C) (das “C” steht für Coburg, wir haben noch einen Manfred (B), Biberach) und Frank aus Kiel haben beide einen Schrittzähler dabei. Die Ergebnisse differieren um 5 km. Mein Kartenergebnis liegt in der Mitte.
Carola und ich haben ein so flottes Tempo, daß wir an der Brücke in Hude wieder warten müssen. Wir sitzen auf einem frisch gemähten Wiesenhang mit einem weiten Blick nach Norden, wo die Anderen bald auftauchen müssen. Carola genehmigt sich eine Zigarette. Na,na!
Inzwischen ist die zweite Gruppe auch da. Wir entschließen uns, bis Mölln vorzulaufen.
Frank versucht, an den 100m-Markierungen des Kanals seinen Schrittzahlmesser zu eichen. Ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Mal zeigt die Anzeige 110, mal 85m.
Gelegentlich kommt die Sonne raus, ein paar Regentropfen. Sehr windig. Ich habe keinerlei Hungergefühle. Wahrscheinlich überdeckt die Erwartung auf die kommenden Tage alles andere.
Kurz vor Mölln nehme ich die Karte wieder zu Hilfe; wo ist die Jugendherberge? Glücklicherweise, müssen wir gar nicht bis nach Mölln hinein:
Eine steile Treppe führt uns hinauf auf die Bundesstraßenbrücke. Noch ein paar hundert Meter durch Buchenwald.
Da liegt sie schon: sehr schön am Nordrand des Möllner Sees mitten im Wald an einem leicht zum See geneigten Hang.
Im Zimmer lacht uns Rüdiger entgegen. Er ist allein gegangen, an der Brücke in Hude abgebogen und hat die Strecke links vom Kanal genommen.
Die Füße sind müde, fühlen sich ausgetreten an und schmerzen. Ich massiere sie mit den feinen Salben, die Margret mir eingepackt hat. Eine Wohltat.
In den kommenden Wochen wird diese abendliche Fußpflege eine feste Einrichtung werden, egal, wie spät wir das Ziel erreichen.
Wenn’s nicht schlimmer kommt, müßte es eigentlich zu schaffen sein. Wir bauen uns gegenseitig auf und hauen uns gedanklich anerkennend auf die Schultern.
Unten im Tagesraum möchte ich gerne einen Sauerkrautsaft, der mir von einem jungen Mann ungnädig ausgehändigt wird: er habe eigentlich erst ab 18 Uhr Dienst! Büffel!
Die nächsten Tage fährt er das Begleitfahrzeug.
Abends gemeinsame Gemüsebrühe. Wir stellen uns und unsere Erwartungen an diese Tour vor. Christoph ist offenkundig nicht begeistert, daß eine schnelle Gruppe sich abgesondert hat: Meine Bemerkung, daß wir uns auf dieser Tour sicherlich noch gut kennenlernen werden, quittiert er nämlich, indem er sie mit etwas sarkastischem Unterton wiederholt. Er meint wohl, daß ich, wenn ich weiter vorneweg laufe, gar nicht die Gelegenheit haben werde, um auch nur irgendjemanden kennenzulernen.
Ich trinke die Flasche Sauerkrautsaft aus, habe keinen Hunger, bin aber todmüde und schlafe so fest wie nie. In unserem Zimmer hat jeder die anderen vor dem eigenen Schnarchen gewarnt. Gehört hat dann keiner was.
37 km

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